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Die häuslichen und gesellschaftlichen Räume des Familienlebens am Anfang des 19. Jahrhunderts

2013.06.16

 

Die häuslichen und gesellschaftlichen Räume des Familienlebens am Anfang des 19. Jahrhunderts im Spiegel zweier Buchillustrationsserien aus Wien
 
          In den europäischen und ungarischen Forschungen der Geschichte des 18. und 19. Jahrhunderts vermehrte sich in den letzten Jahrzehnten die Untersuchung der gesellschaftlichen Rolle der Frau und ihrer Stellung in der Familie. Obwohl die Mehrzahl der Wissenschaftler betont, dass in der Periode der Aufklärung in der Diskussion des „Frauenproblems” zahlreiche verschiedene, gelegentlich voneinander sehr entfernte Ansichten erörtert wurden, und es sehr unterschiedliche gesellschaftliche Bräuche gab, aber das wissenschaftliche Einverständnis hält für bestimmende Eigenheit der Jahrzehnte nach der französischen Revolution (in diesem Problemkreis) die Unterordnung der Frau ihrem Vater und dann ihrem Mann und ihre daraus folgende Abkapselung von der gesellschaftlichen Öffentlichkeit und intellektuelle Isolation. Auch die Buchhistoriker, die sich mit der Bildungskompetenz der Frauen – dabei mit dem Unterricht der Mädchen und dem Lesen der Frauen – beschäftigten, meinen, dass die literarisch-kulturellen Ansprüche der Frauen, die ab Ende des 18. Jahrhunderts den immer größeren Anteil der Lesenden gaben, minderwertig und eingeschränkt waren, und deswegen auch die zur Befriedigung ihrer Ansprüche entstandenen Produkte in erster Linie nicht zur hohen Kultur gehörten, sondern zur populären Literatur, die Teil der Massenkultur bildeten.[1]
 Bei meinen Forschungen zur Buchillustration der Wende des 18.–19. Jahrhunderts fand ich einige solche Angaben, die dieses Bild etwas nuancieren. Aus den Beispielen diesen Aufsatzes können wir natürlich – und nicht nur wegen ihrer zeitlichen, räumlichen und thematischen Einschränkung – keinerlei allgemein gültige Schlussfolgerung ziehen, nur die Vielfalt der damaligen gesellschaftlichen Diskussion des „Frauenproblems” und den kulturellen Brauch veranschaulichen.
Obwohl wir im Allgemeinen damit einverstanden sein müssen, dass in der Neuzeit der Unterricht der Mädchen in ganz Europa hinter dem der Jungen zurückblieb, finden wir zahlreiche Beispiele – zumindest bis zu einem gewissen Alter der Kinder – für Parallelität. Martin Luther schlug bereits 1524 die Errichtung solcher christlicher Schulen in den Kirchengemeinden vor, wo man täglich ein-zwei Stunden die Mädchen und Jungen gleichermaßen unterrichtet hätte, und er empfahl, dass man die gut lernenden, talentierten Jugendlichen auch auf höherem Grad unterrichten solle, damit sie später als Lehrer oder Lehrerin, als Predikator oder in anderen kirchlichen Ämtern arbeiten können. Die Adligen und Leibeigenen, die Reichen und die Armen, die Jungen und die Mädchen, die Kinder in den Städten und den Dörfern solle man gleichermaßen unterrichten – schrieb Jan Comenius zwischen 1632 und 1657 in seiner „Didactica magna”. Die Ratio Educationis, die Schulverordnung der Königin Maria Theresia aus dem Jahre 1777, schrieb die Schulpflicht vor und übertrug die Bildungsaufgabe statt bis dahin von der Kirche auf den Staat, und Grundschulbildung sollten Jungen und Mädchen gleicherweise erhalten. Zahlreiche Autoren von Kinder- und Jugendliteratur empfohlen ihre Werke sowohl Jungen als auch Mädchen.[2]
Die illustrierte Geschichte der Wiener Jugendausgabe „Wie man’s treibt, so geht’s” ließ auch erahnen, dass Jungen und Mädchen gleichermaßen zum Lernen geeignet sind, wenn sie mit dem selben Fleiß und Ausdauer an die Arbeit rangehen. „Nein, das hätte ich nicht gedacht, daß Röschen so weit zurück bleiben würde, sie ist doch weder dumm, noch ungeschickt.” – meint der Vater zum Unterschied des Wissens des vom Privatlehrer unterrichteten Geschwisterpaares, betont, dass die Differenz nur daher kommt, dass das Mädchen unaufmerksam und faul war. Die Geschichte beleuchtet auch, dass in den wohlhabenden Bürgerfamilien das Unterrichten der Jungen und Mädchen genauso wichtig war.[3]
Die Frage der Schulung der Mädchen und des Lesens der Frauen verband sich im 18. Jahrhundert auch mit den kulturellen Emanzipationsbestrebungen des Bürgertums. Ein gewisser Grad an Bildung und Belesenheit der Frauen – und nicht nur im Kreise des geistiger Tätigkeit nachgehenden Bildungsbürgertums, sondern auch des Mittel- und Großbürgertums – war nicht nur erlaubt, sondern auch erwartet.
Ich meine, man kann auch mit den Obigen in Zusammenhang bringen, dass in der von mir untersuchten Epoche in den von Frauen beliebten Kalendern, literarischen Almanachen und den ausgesprochen für Frauen geschriebenen Taschenbüchern nicht nur Erzählungen und Gedichte, beziehungsweise praktische Ratschläge zum Familienleben, der Haushaltsführung und Kindererziehung zu finden sind, sondern auch schriftliche und bildliche Informationen, die der Erweiterung der Allgemeinbildung der Frauen[4], beziehungsweise der Vertiefung ihres Selbstvertrauens und Berufsbewusstseins dienten.
Es muss natürlich betont werden, dass die Redakteure der Veröffentlichungen für die Frauen neben der Unterhaltung – im Einklang mit den Zielen der Frauenbildung – grundlegend danach strebten, dass die Publikationen den damaligen Erwartungen der gesellschaftlichen Rolle der Frauen entsprachen, also sie dabei unterstützten, gute Ehefrauen, Mütter und Hausfrauen zu werden.[5] Sie waren zugleich aber auch damit im Klaren, dass die Frauen dazu, dass sie verantwortungsvolle Rolle in der Familie übernehmen können, über die praktischen Kenntnisse der Familienorganisation hinaus auch grundlegende literarische, künstlerische, historische,[6] geografische, naturwissenschaftliche, technische[7] und politische Kenntnisse benötigen. Dieses Wissen können sie in der erfolgreichen Teilnahme am Gesellschaftsleben nutzen, die gelegentlich die Karriere des Mannes fördert, die Repräsentation der Familie stärkt,[8] beziehungsweise bei der Kindererziehung hilft.
Obwohl sich zum Erwecken des Interesses in den Taschenbüchern und Almanachs für Frauen ein Teil der veröffentlichten populärwissenschaftlichen Artikel mit Themen befasst, die die Frauen interessieren (Frisur- und Modegeschichte, Ehebräuche der Völker anderer Kontinente oder früherer Zeiten), finden wir auch zahlreiche andere Informationen in ihnen. Der ungarische Schriftsteller Károly Kisfaludy schrieb über seine Aurora, die viele wichtige Ereignisse der nationalen Geschichte in Wort und Bild zeigte: „Da dieses Almanach den Frauen unserer Heimat gewidmet sei, bin ich also bestrebt, dass dies sowohl im äußeren Schmuck als auch im inneren Verdienst mit den ausländischen Werken wetteifern kann…”. Er hielt auch die Bekanntmachung der weiblichen Leser mit der anspruchsvollen Literatur für wichtig: Deshalb bat er den Dichter Ferenc Kazinczy um Gedichte, „damit auch dieser Zweig der Schönen Literatur in unserem Land verbreitet wird, und unsere Frauen mit höherem Geist sich nicht gezwungen fühlten, auf fremde Sprache zu bestehen.”[9]Der Wiener Schriftsteller Emil Trimmel[10] beschrieb in einem von ihm redigierten Frauenalmanach ausführlich Leben und Werk früherer und zeitgenössischer österreichischer und deutscher Schriftsteller sowie Gelehrter, darunter auch zweier Schriftstellerinnen.[11]
Und die Frauen lasen sicherlich nicht nur die ihnen geschriebenen Bücher, sondern blätterten auch in den Zeitungen, die in die Männersphäre gehörten, in den populären, illustrierten geografischen und historischen Werken, Reisebeschreibungen, oder in den Büchern, die Sagen und Erzählungen veröffentlichten, in denen heldenhafte Vorzeiten wachgerufen wurden, und die ihnen die Welt in Raum und Zeit öffneten.[12] Die relative Breite des Interesses der Frauen merkten auch die zeitgenössischen Männerautoren: „Völkerkunde liegt nicht außer der Sphäre des schönen Geschlechtes”, schrieb zum Beispiel der Redakteur des erwähntenWiener Frauenalmanachs am Anfang seines Artikels über die Kalmücken.[13] Die Überdeckung zwischen den Lektüren für Frauen und Männer kennzeichnen jene Bücher, die den Mitgliedern beider Geschlechter gewidmet waren.
Obwohl die Zahl der – oft von Frauen geschriebenen – Romane mit weiblichen Helden beträchtlich ist, arbeiteten auch die Schriftstellerinnen nicht nur Frauenthemen auf. Christiane Benedikte Naubert, eine der Erneuerer des deutschen historischen Romans, die heute bereits vergessen ist, erwarb gründliche Kenntnise in Philosophie, Geschichte, lateinischer und griechischer Sprache, sie schrieb einen historischen Roman über Miklós Zrínyi, den Helden von Szigetvár.[14] Die österreichische Dichterin Caroline Pichler verewigte in einem ihrer Gedichte das Andenken von János Hunyadi.[15] Die englische Schriftstellerin Anne Radcliffe, die man neben Horace Walpole und Matthew Gregory für den Vertreter der englischen Ritterromantik mit größter Wirkung hält, schrieb Grusel- und Ritterromane.[16] 
Auf die Ebenbürtigkeit sowie geistige Partnerschaft der weiblichen und männlichen Dichter, Schriftsteller und Gelehrten weisen die beiden Kupferstiche hin, die als Illustration der erwähnten ausführlichen Beschreibung von Leben und Werk der Caroline Pichler sowie der Schauspielerin und Schriftstellerin Johanna Franul von Weissenthurn um ihre Porträts vier bzw. fünf Bildnisse männlicher Schriftsteller zeigen. (Abb. 1–2.) Die Vorstellung der Lebenswege der beiden Frauen verdeutlichte den zeitgenössischen Leserinnen, dass mit Ausdauer und Fleiss auch Frauen mit unterschiedlichem familiären und gesellschaftlichen Hintergrund erfolgreiche, anerkannte Mitglieder der Welt der Schriftsteller werden konnten. Bislang Caroline Pichler hervorragende Erziehung hatte, im Haus der Mutter, der geistreichen Vorleserin von Maria Theresia, früh die hervorragendsten Vertreter des Wiener geistigen Lebens kennenlernte, konnte die als Kind Halbweise gewordene Johanna Franul von Weissenthurn aus Mangel an entsprechender Schulung auch das Lesen und Schreiben erst mit zehn Jahren erlernen. Sie wurde eine erfolgreiche Schauspielerin des Wiener Hoftheaters und Frau eines Patriziers, als 28-Jährige stellte sie sich auch als Schriftstellerin vor, mit ihrer klaren Sprache, präziser Charakterdarstellung, Menschenkenntnis wurde sie zu einer der beliebtesten Dramatikerinnen, deren zehn erschienenen Bände die österreichischen und ausländischen Kritiker gleichermaßen lobten.[17]
Wesentliche Unterschiede sind aber dabei zu beobachten, wie man in der Zeit das Lesen der Frauen der verschiedenen Gesellschaftsschichten beurteilte. Zahlreiche Gedichts- und Romanillustrationen sowie die genreartigen Modebilder in den 1810-er, ’20-er Jahren erschienenen Wiener Zeitschriften, literarischen Almanachen zeigen das Lesen der Frauen als häusliche, innige, angenommene Tätigkeit.[18] (Abb. 3.) Bei den Mädchen und Frauen der unteren Volksschichten jedoch verurteilte, missbilligte die öffentliche Meinung das zum Nichtstun anregende, zeitverschwendende Lesen. Dieser Urteil war im 19. Jahrhundert allgemein üblich, die Frauen von niedrigerem Status bestritten auch selbst ihre kulturelle Kompetenz. Dass sich aber im Trachtenalbum von Franz Jaschke[19] in der Hand eines festlich angezogenen Bauernmädchens aus dem Komitat Veszprém, auf einem zwei Jahrzehnte späteren Modebild von Károly (Vidéky) Kohlmann in der Hand einer Bäuerin aus dem Komitat Tolna ein Buch – vielleicht kirchliches Gesangsbuch – zu sehen ist,[20] weist darauf hin, dass das gnädige, nützliche Lesen der Frauen der unteren Schichten in jener Zeit angenommen war. Die selbe Anschauung treffen wir – neben einem Stich von Daniel Chodowiecki, der eine Bäuerin beim Lesen eines Gesangsbuches darstellt – auch bei der nach französischem Vorbild gefertigten Illustration des von József Bajza redigierten Bandes der Pester Aurora aus dem Jahre 1835, dessen Hauptfigur, eine arme Wittwe in der Tür ihres wackeligen, zum Verkauf angebotenen Hauses sitzt und eine dicke Bibel in Folioformat liest.
 
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Unter den Buchillustrationen der Wende des 18. und 19. Jahrhunderts sind zahlreiche mit Texterklärungen versehene Stiche zu finden, die Szenen des Familienlebens darstellen, und den Lesern die Ansichten ihrer Besteller inbezug auf Struktur und Funktion der Familie bzw. das gegenseitige Verhältnis der Familienmitglieder anschaulich vermittelten. Um zu entscheiden, inwieweit diese Familienmodelle damalige Fiktionen, philosophische, pädagogische und politische Ansichten, einzelne oder gemeinschaftliche Erwartungen, Propaganda verewigten und in welchem Maße wirkliche gesellschaftliche Praxis und individuelle Erfahrung wiederspiegelten, dazu wären tiefgehendere Forschungen, als meine bisherigen Untersuchungen, notwendig. Es scheint aber wahrscheinlich, dass zwischen Wirklichkeit und Utopie – gerade wegen der Eigenheiten des Genres (die schnelle Fertigstellung der vervielfertigten Grafikblätter, ihre leichte Verwertbarkeit, Verbreitung in breiten gesellschaftlichen Kreisen) - kein unüberbrückbarer Gegensatz bestand. Die Illustrationen stellten einerseits – oft in polarisierter, karikaturistischer Weise (man denke nur an die Serien von William Hogarth) – die wahren gesellschaftlichen Vorgänge dar, andererseits gaben sie ihren Lesern mit dem Vorzeigen zu befolgender und verwerflicher Beispiele Ratschläge zur praktischen Lebensführung, die sie im alltäglichen Leben nutzen konnten.
Die Gegensatzpaare einer aus zwölf Blättern bestehenden antithetischen Serie eines Wiener Kalenders mit erzieherischem Ziel zeigten mit Bilderklärungen ergänzt Szenen des Familienlebens (Die Anwerbung, Kindbetterin, Haushaltung, Erziehung, Nachhausekunft, Abendunterhaltung),[21] bei denen die familieliebende, sparsame, rationale Mentalitiät der frivolen, unverantwortlichen, Vergnügen und Prunk liebenden Lebensführung gegenübergestellt wurde.[22]
In der als befolgendes, positives Beispiel gezeigten Familie nehmen Mann und Frau mit gleicher Intensität, als gleichgestellte Partner an den Aufgaben im Haus und den Entscheidungen teil. Auf dem Stich mit der Brautwerbung bittet nicht der zukünftige Bräutigam das Familienoberhaupt um die Hand des Mädchens, sondern das junge Paar bittet zusammen Mutter und Vater um Segen für ihre Ehe. (Abb. 4.) Auf einer anderen Darstellung umarmt der Ehemann solidarisch und unterstützend seine Frau, die ihr gemeinsames Baby stillt. (Abb. 5.) Das Ehepaar führt auch das Haushaltsbuch gemeinsam, in Einverständnis, die junge Frau zeigt inzwischen auf ihr selbstgenähtes Kleid, womit sie auf ihre Sparsamkeit hinweist, die der Mehrung der Familie dient. (Abb. 6.) Die Elternteile erziehen auch die Kinder gemeinsam: Bislang die Mutter dem Mädchen in der Gartenlaube das Lesen beibringt, zeigt der Vater dem Jungen die Griffe der Gartenarbeit.[23] (Abb. 7.) Auf dem nächsten Bild sehen wir den heimkehrenden Vater, den seine Ehefrau mit Freude begrüßt, und dem seine Kinder mit aufgelöster Freude entgegenlaufen. (Abb. 8.) Dieser Mann ist – das Bild lässt es zumindest erahnen – nicht der über eine in strenge Hierarchie geordnete Familie herrschende autokratische Famillienoberhaupt mit berufungsloser Autorität, der bedingungslosen Respekt fordert, sondern ein mit den weiteren Familienmitgliedern auf gleicher Ebene stehende, aus ganzem Herzen geliebte Vater und Ehemann.[24] Auf dem letzten Bild der Serie sitzen in der Abendruhe Mann und Frau gemeinsam am Gartentisch, ihr Junge im Teenageralter zeichnet vor ihnen.[25] (Abb. 9.)
Die gleichgestellte Beziehung des Ehemannes und seiner Frau bzw. die gemeinsame Erziehung ihres Mädchens und Jungen zeigt auch eine andere Illustrationsserie, diese Szenen aber spielen nicht zu Hause oder im Garten, sondern an den gesellschaftlichen Schauplätzen der Erziehung, Bildung und Unterhaltung. Die Stiche illustrierten die 1800 in Wien, dann 1805 und 1812 in Neuauflagen erschienene Serie des besonders beliebten Autors populärwissenschaftlicher Werke der Naturwissenschaften, Carl Philipp Funke.[26] Funke nahm an den Arbeiten des wirkungsvollen Bilderbuches von Friedrich Justin Bertuch[27] teil, und schrieb auch seine eigenen Bücher in der modernen pädagogischen und philantropischen Anschauung der Aufklärung: Er war bemüht, auch die einfachen Beschreibungen erlebnisvoll zu gestalten. Seine zahlreiche Auflagen erlebten Bücher wurden auch als schulisches Lehrmaterial genutzt.
Die Illustrationen der 1800 in drei Bänden herausgegebenen, aus sechs Teilen und einem Supplementum-Band bestehenden Reihe zeigen jene gesellschaftlichen Schauplätze anschaulich, wo das Publikum das in jener Zeit zusammengebrachte, enzyklopädische Wissen kennenlernen konnte. In den Genredarstellungen, die ansprechendes, lebensvolles, authentisches Bild des bürgerlichen Familienmodells gaben, sehen wir die Mitglieder je einer Familie – Mutter, Vater, ein Junge und ein Mädchen (nur auf einem Bild ist eine dreiköpfige Familie mit Mutter, Vater und einem Jungen dargestellt) -, die außerhalb ihres Hauses die Sehenswürdigkeiten der Natur, der bildenden Künste und des Handwerks kennenlernen. Auf dem von Johann Blaschke gefertigten Vorsatz des Titelblattes des ersten Teils sehen wir eine Familie beim Studium einer zoologischen Sammlung, der auch einen ausgestopften Elefanten beinhaltete: Der Teenagerjunge sieht sich Bücher an, der Vater, der seine Hand vertrauensvoll an die Lehne des Stuhls der Frau legt, zeigt der Mutter und dem Mädchen die Sehenswürdigkeiten. (Abb. 10.) Auf den Vorsätzen der Titelblätter der weiteren sechs Bände, die Joseph Gerstner gefertigt hat, schauen sich die Familienmitglieder an einem Teichufer Wasservögel, in einem Arboretum Blumen an, in einem Treibhaus verrichten sie Gartenarbeit, beobachten die Tätigkeit von Bergleuten, besuchen schließlich eine Kunstsammlung bzw. eine anthropologische Kollektion. (Abb. 11–16.)
Die inhaltlich und formal zusammenhängenden Stücke der Stichserie stellen die verschiedenen Typen des Erwerbs von Kenntnissen, der Bildung vor: die wissenschaftlich geordneten, in öffentlichen Museen gezeigten Exponate der Naturlehre und der Kunst, die somit für jeden Interessenten zugänglichen sind (zoologische, anthropologische Sammlung, Kunstkollektion), die Beobachtung der Eigenheiten der Pflanzen- und Tierwelt in natürlicher Umgebung (Teich der Wasservögel, Arboretum), bzw. das direkte oder indirekte Kennenlernen der Gewerbe (Arbeit im Gewächshaus, Bergbau).
Die Darstellungen zeigen gegenüber der lockeren Struktur der adligen Familie und der bäuerlichen Großfamilie die enge Verbundenheit der an den gemeinsamen Programmen teilnehmenden, aus Eltern und Kindern bestehenden, bürgerlichen Kleinfamilien, und betonen darüber hinaus die Wichtigkeit des persönlichen Erwerbs von Kenntnissen, die der Bildung dienen. Anschaulich beleuchtet diese Bestrebung der Vergleich des Stiches, der das sechste Band schmückt und einen Museumsbesuch darstellt, (Abb. 15.) mit solchen früheren Kunstwerken, die ebenfalls Galeriebesuche zeigen. Der flämmische Maler Willem van Haecht stellte auf seinem Gemälde „Bildergalerie des Cornelis van der Geest” (1628, Antwerpen, Rubenshuis) die Teilnehmer, die den Kunstwerken kaum Aufmerksamkeit widmen, als repräsentatives Gruppenbildnis dar. Der Maler zeigt nicht ihr Verhältnis zur Kunst, ihr Interesse für die Kunst, sondern er betont, dass sie zur ausgewählten Gesellschaft gehörten, die sich 1615 anlässlich des Besuches von Erzherzog Albert versammelte. (Abb. 17.) Anderthalb Jahrhunderte später, in den 1770-er Jahren, fertigte Johann Zoffany sein Gemälde „The Tribuna of the Uffizi” (Windsor, Royal Collection), das die weltberühmte Kunstsammlung im Prunksaal der Uffizien in Florenz und die prächtigen Kunstwerke in kleinen Gruppen betrachtende, lockere Gespräche führende Gesellschaft – Kunstverständige, Diplomaten und vornehme Reisende – darstellt. (Abb. 18.)
Auf dem Stich von Gerstner aus dem Jahre 1800, der Funkes Buch schmückt, (Abb. 15.) sehen wir eine etwas gerührt dastehende Familie, die – auch die beiden Kinder inbegriffen – der Erklärung des jungen Mannes über die Werke der Sammlung zuhören. In der Kollektion der Gipskopien erkennen wir den Apoll von Belvedere, das Torso von Belvedere und den Kopf des Sokrates. Die Skulptur auf der rechten Seite zeigt eindeutige Ähnlichkeit mit dem anatomischen Model des Bildhauers Johann Martin Fischer, dem Muskelmann in der Sammlung der Wiener Kunstakademie, diese großformatige Variation der früheren kleinen anatomischen Écorché-Figur wurde aber dem Zeichen auf der Statue entsprechend erst drei Jahre nach Erscheinen des Funke-Buches, 1803 fertiggestellt.[28]
Funkes Serie gab der Wiener Haas-Verlag 1812 in zwei weiteren Auflagen heraus.[29] Die Illustrationen entsprechen – mit Ausnahme der Darstellung der Kunstsammlung – denen der Ausgaben von 1800 und 1805, auf den Darstellungen finden wir aber andere Zeichen: Die Bilder der einen Ausgabe stach Martin Pölzel nach der Zeichnung von Schedy, also Georg Vinzenz Kininger, in Kupfer, der Stich des ersten Bandes der anderen Ausgabe war ungezeichnet, die anderen Bilder fertigte – mit Ausnahme der Komposition mit der Kunstsammlung des Schedy-Pölzel Paares (Band 6.) – der aus Mähren stammende, an der Wiener Akademie studierte Franz Wrenk.
Auf dem neuen Stich über die Familie, die die Kunstsammlung besucht, (Abb. 19) ist von den Skulpturen der vorangehenden Komposition lediglich die lebensgroße Écorché-Figur noch vorhanden. Im Vordergrund und auf der hinteren Wand sind je ein Gemälde, ganz vorne auf einem Postament mit Zopfverzierung eine Büste, im Hintergrund eine großformatige Skulpturkopie zu sehen. Außer der Écorché-Statue erscheinen auf beiden Darstellungen eine Staffelei und eine schemelartige Holzkiste.
Da das Buch in Wien erschien und die Stiche Wiener Kupferstecher gefertigt haben, ist es vorstellbar, dass die Darstellungen eine Wiener Kunstsammlung zeigen. Am Wahrscheinlichsten erscheint es, dass für die Illustrationen die Gipskopienkollektion im dritten Stockwerk des Gebäudes der Kunstakademie in der Annagasse[30] als Inspiration diente, deren Beschreibung in den 1780-er Jahren Anton Weinkopf anfertigte.[31] Während des Protektorats des Grafen Johann Philipp Cobenzl wurden die Kopien der bekanntesten antiken Skulpturen systematisch angeschafft, darunter die der Apoll von Belvedere, die – wie wir es sahen – auch auf der Illustration des 1800 erschienenen Funke-Bandes zu sehen ist. Cobenzl kaufte 1795 14 Gipsskulpturen und 46 Büsten, 1797 vom Hofstatuarius Joseph Müller, also Graf Joseph Deym,[32] fünf Kopien und 40 Büsten. In der Gipssammlung der Akademie befanden sich 1797 die Kopien von 26 ganzfigurigen bzw. Gruppenskulpturen, 73 Männer- und 52 Frauenköpfen, darunter die des Sokrates,[33] und in jenem Jahr wurde auch der Apoll von Belvedere gekauft.[34] Auf dem Stich des Jahres 1812 zeigt die nackte Männerstatue rechts oben im Bild Ähnlichkeit mit der in der Gipssammlung der Akademie erhaltenen 171 cm großen Gipskopie der Skulptur „Hervorschreitender Diskuswerfer” aus dem 4. Jahrhundert v. Chr.[35] Es schwächt aber die Annahme, dass beide Arme und Hände des Apoll von Belvedere – wie auf dem Gemälde „Professorensitzung in der Akademie der bildenden Künste in Wien” von Ferdinand Georg Waldmüller gut zu sehen ist[36] – in ergänztem Zustand waren, auf dem Stich aber ist – wie wir sahen – die rechte Hand amputiert.
Das wissen wir nicht, warum Haas von den sechs Bänden nur zu diesem neuen Stich anfertigen ließ, die Umwandlung der Komposition deutet jedoch auf Veränderung in Inhalt und Anschauung hin. Die auf dem Bild von 1800 etwas gerührt dastehende Familie bewegt sich auf der Illustration von 1812 bereits behaglich, als Kenner in der Welt der Kunst. Die Mutter sitzt vor einem Gemälde,[37] und erklärt ihren Kindern – darunter dem umarmten Mädchen das Bild. Hinter ihnen schauen sich die beiden Männer das Bild auch behaglich und fachmännisch (einer von ihnen mit einer Lupe) an. Die einige Jahre zuvor als wissensdurstige Außenseiter ankommende Familie wurde zum Kunstkenner, genießt, versteht und bewertet die Kunst genauso ungezwungen, wie auf dem erwähnten Gemälde von Zoffany die gebildeten und kunstkennenden ausländischen Diplomaten die Kunstwerke der Tribuna.
Die beiden vorgestellten Illustrationsserien beleuchten zwei, miteinander eng zusammenhängende Elemente der damaligen, vielseitigen Diskussionen des „Frauenproblems”. Auf den Darstellungen basiert das Verhältnis zwischen den Familienmitgliedern – im Einklang mit jenem gesellschaftlichen Vorgang, bei dem in der von den wirtschaftlichen Aufgaben immer mehr befreiten Bürgerfamilie die väterliche Autorität abgebaut wird, die Autoritätsstruktur sich in der Familie ausgleicht – nicht auf hierarchistischer Über- und Unterordnung. In der auf Gleichberechtigung bauenden, engen und solidarischen Familiengemeinschaft sind die Frauen – auf dies weist die als zweite analysierte Serie hin – genauso berechtigt über Wissen zu verfügen, bewegen sich genauso frei, offen und mit ehrlicher Neugier auf den gemeinschaftlichen Schauplätzen der Bildung, genießen die verschiedenen Möglichkeiten des Lernens, wie die Männer. Das Mädchen erhält nicht nur den traditionell zur Frauenbildung gehörenden Kunstunterricht, sie betrachtet auch die naturwissenschaftlichen Sammlungen und die Arbeit der Bergleute mit Interesse, untersucht die menschlichen und tierischen Skeletts, die präparierten Embrionen ohne Furcht und Erschütterung.Genauso umstehen vier Mädchen und vier Jungen in der Illustration von  Daniel Chodowiecki zum Lehrbuch des utopistischen Reformpädagogen Franz Heinrich Ziegenhagen Lehre vom richtigen Verhältnis zu den Schöpfungswerken (1792) einen Tisch, auf dem ein Tierkadaver seziert wird (der Sezierarzt überreicht das Herz des Tieres einem Mädchen), und auch auf den weiteren Blättern, wo man Gewerbe praktiziert, sind Mädchen zu sehen. (Abb. 20.)
Das freiwillig geschaffene und ohne Zwang aufrecht gehaltene, auf der dauerhaft affektiven Gemeinschaft der Eheleute basierende ideale, bürgerliche Familienmodell sicherte nach Jürgen Habermas die Entfaltung jener Fähigkeiten als Selbstzweck, die die gebildete Persönlichkeit charakterisieren. Die drei Momente der Bildung, Freiwilligkeit und affektiven Gemeinschaft verschmelzen zu einem solchen Humanitätsbegriff, der in der menschlichen Natur erhalten sein muss. Und so theoretisch diese Formulierung auch klingen mag, bedeuteten diese Ideen einst selbst die Wirklichkeit, die in wirkliche Institutionen gefasste Form des objektiven Verstandes, ohne dessen subjektive Gültigkeit die Gesellschaft sich nicht hätte reproduzieren können.[38]


[1] Barbier, Frédéric – Lavenir, Catherine Bertho: Histoire des médias de Diderot à Internet. Paris, 1998.; Cavallo, Guglielmo – Chartier, Roger (Hrsg.): (Histoire de la lecture dans le monde occidental. Paris, 1997. Anschauliches Beispiel für diese unterhaltsame Frauenlektüre bot den Besuchern seiner Wiener Kunstgalerie in den 1790-er Jahren Joseph Deym von Stritez, alias Joseph Müller. Das Publikum konnte eine solche Panoptikumszene besichtigen, wo auf einem prachtvoll verzierten Bett mit Baldachin die lebensgroße Wachspuppe eines „schönen, erwachsenen Mädchens” lag: „sie scheint über Lesung eines Romans, der ihr zur Seite liegt, eingeschlafen zu seyn. Ein leichtes Gewand fließt um ihren schönen Körper, und das Ganze kann als Ideal betrachtet werden, indem alle einzelnen Theile getreu und von mehrern verschiedenen Subjekten nach der schönen Natur, gezeichnet sind.”Beschreibung der kaiserl. königl. privilegirten, durch den Herrn Hoffstatuarius Müller errichteten Kunstgallerie zu Wien. Von C. M. A. Wien, 1797. 72. In der von Erotik durchdrungenen, Rokokoszene ist das Lesen eines Romans eine leichte Unterhaltung, das beim Einschlafen hilft und angenehme Entspannung bietet. Vgl.: Gabriele Hatwagner: Die Lust an der Illusion – über den Reiz der „Scheinkunstsammlung“ des Grafen Deym, der sich Müller nannte. Diplomarbeit. Wien, 2008.
[2] Jakob Glatz: Kleines Erzählungsbuch für Knaben und Mädchen. Wien, 1816.; Chimani, Leopold: Blumengewinde nützlicher und lehrreicher Erzählungen für gute Knaben und Mädchen. Wien, 1820.;Moralischer Haus Kalender ein Neujahrs Geschenke für gutte Söhne und Töchter aller Glaubens-Bekenntnisse. Von Dr. Fr. Rittler. Wien [1821].
[3] Sonntagsblatt für die Jugend… Dritter Band. Wien, 1818. 74.
[4] Der Wiener Damenkalender zum Nutzen und Vergnügen befasste sich zum Beispiel mit folgenden Themen: 1796 veröffentlichte der Redakteur in der Beilage des Kalenders einen Artikel über das kluge Wirtschaften mit den Haushaltskosten, 1797 über die Geflogenheiten, das gesellschaftliche Leben der amerikanischen Kreolen, ihrem Umgang mit den Sklaven, die Geschichte des europäischen Tanzes (ab dem 15. Jahrhundert), den Spiegel (von den mythologischen Beispielen ausgehend), 1798 über das römische Gesellschaftsleben und den zehn Lebensaltern der Frau, 1799 wurde in einer erfundenen Erzählung über einen englischen Weltreisenden die Entdeckung der Südsee-Inseln, die Geschichte des menschlichen Geschlechts (von der Erschaffung der Welt vor 6000 Jahren ausgehend), die Historie des Pantomimtanzes, unter dem Titel „Brittische Großmuth” über die Amerika-Reise des englischen Methodistenpredigers John Wesley und des Offiziers Edward Oglethorpe geschrieben. 1800 erschienen Artikel über den Gang der Planeten, die Bedeutung der Wörter Grotesk und Gruppe, die  römische Kunst der Antike, die Geschichte der Haarwäsche und des Haarschmucks (von der Antike bis zu den afrikanischen, amerikanischen und asiatischen Bräuchen), den Garten von Aranjuez, dem Ferienschloss der spanischen Könige, das Sehen und Schielen der Kinder sowie die Kalmücken. Der Redakteur betonte auch die Absicht der populären Wissensverbreitung: „Dieser Gegenstand ist zwar an sich etwas trocken;indessen glaube ich doch, daß ihn manche Schönen mit Vergnügen lesen werden; denn nicht allen werden die Veränderungen bekannt seyn, die sich seit der Entstehung unsrer Welt, auf diesem Erdball zugetragen haben, und es ist doch immer angenehm, die Geschichte des Menschengeschlechtes auf wenig Blättern übersehen zu können.” Wiener Damenkalender zum Nutzen und Vergnügen auf das Jahr 1799. Wien. 20.
[5] Ebenso, wie jene meist von Frauen verfassten – oft in Roman- oder Briefromanform geschriebenen – Veröffentlichungen, die mit dem Aufzeigen zu befolgender oder verwerflicher Beispiele, Ratschläge die jungen Mädchen und Frauen auf die Ehe und das Familienleben vorbereiteten. 
[6] Catherine-Joseph-Ferdinand Girard de Propiac: Le Plutarque des jeunes demoiselles, ou Abrégé des vies des femmes illustres de tous les pays, avec des leçons explicatives de leurs actions et de leurs ouvrages. Paris, 1821. Der Titel der Serie – Kleine Bibliothek in’s Strickkörbchen – wies darauf hin, dass der Wiener Verleger Joseph Grämmer seine aus historischen Gedichten zusammengestellte Sammlung Frauen gedachte, die ihre Zeit mit Handarbeit vertreiben: Auswahl interessanter historischer Gedichte besteht aus Balladen, Romanzen und Märchen. Wien 1801–1808.
[7] Der Gratzer Frauenjournal übernahm in seiner Ausgabe vom 1. März 1795 (Seite 96) jenen Kupferstich, der die Funktion des Telegrafen zeigt, und den der Bécsi Magyar Hírmondó (Wiener Ungarische Kurier) 1794 veröffentlichte. Vgl.: Piroska D. Szemző, A magyar folyóiratillusztráció kezdetei (Die Anfänge der ungarischen Zeitschriftenillustration); In: Művészettörténeti Tanulmányok. A Magyar Művészettörténeti Munkaközösség Évkönyve (Kunsthistorische Studien. Jahrbuch der Ungarischen Arbeitsgemeinschaft für Kunstgeschichte) 1953. Budapest, 1954. 147.
[8] Die populäre Schriftstellerin der Zeit, Caroline de la Motte Fouqué, widmete dem Thema, wie sich die Frauen erfolgreich auf das Gesellschaftsleben vorbereiten können, ein selbständiges Buch. Als allerheiligste Pflicht der Frauen erwähnt auch sie, dass sie gute Ehefrauen und Mütter werden, aber sie hebt hervor – ihre Rolle im Gesellschaftsleben betonend -, dass sie auch auf den Gebieten der Literatur und Kunst bewandert sein müssen. Die Frauen in der großen Welt. Bildungsbuch bei’m Eintritt in das gesellige Leben. Berlin, 1826. Auf einem Stich, der das Leben von Gottfried Wilhelm Leibniz zeigt, erklärt der Gelehrte einer Gruppe von drei Frauen und einem Mann einen seiner wichtigen wissenschaftlichen Entdeckungen. Pantheon der Deutschen. Zweyter Theil. Chemnitz. 1795. 150–151.
[9] Kazinczy Ferenc levelezése. Közzéteszi Dr. Váczy János. [Korrespondanz von Ferenc Kazinczy. Veröffentlicht von Dr. János Váczy], Budapest. XVII. kötet. 1907. 320–321.
[10] Trimmel war um 1810 Privatlehrer von Ida Laura Pfeiffer, einer späteren weltreisenden Frau, und half bei der literarischen Formulierung in den 1840-er, 1850-er Jahren erschienener Reisebeschreibungen.
[11] Toilette Almanach für Damen. 1832. Herausgegeben von Emil. Wien. 5–10.; Toilette Almanach für Damen. 1833. Herausgegeben von Emil. Wien. 3–10.
[12] Unter den Büchern seines neuen Gatten – schrieb die Heldin des von István Sándor übersetzten Romans von Christian Fürchtegott Gellert – „waren teils Romantische, teils Ethische, die Schönsten ausgewählt und dadurch seines selbst Wohlgefallen in mich gespritzt habe”. G. nevezetű Svédi Grófnénak rendes történeti egy Juhászi Játékkal egyetemben. (Ordentliche Geschichte der G. genannten Gräfin Svédi zusammen mit einem Schäferspiel.) In deutscher Sprache herausgegeben von R. F. Gellert, übersetzt von S.[ándor] I.[stván] Szláv. In Pressburg und Kaschau. 1778, 41–42. Die Gewohnheit des gemeinsamen Lesens und Lernens blieb auch mit ihrem nächsten Mann erhalten. Sándor 1778, zit. Werk 77–79.
[13] Wiener Damenkalender zum Nutzen und Vergnügen auf das Jahr 1800.49.
[14] [Naubert, Christiane Benedikte]: Nikolaus Zriny oder die Belagerung von Szigeth.Ein historisch-romantisches Gemählde. 1808. Pesth.
[15] Toilette Kalender für Damen 1816. Wien. 27–31.
[16] Die Einsiedlerinn am Vesuv. Eine abentheuerliche Geschichte. Nach dem Englischen der Miß Anna Radclif. Leipzig, 1801.
[17] Toilette 1832, zit. Werk 56.; Toilette 1833, zit. Werk 78.
[18] Wiener Zeitschrift für Kunst, Literatur, Theater und Mode. 1818, Nr. 28., Nr. 85.; Wiener Zeitschrift für Kunst, Literatur, Theater und Mode 1819, Nr. 84.; 1823, Nr. 115., Nr. 154.; 1824, Nr. 121.; 1825, Nr. 69.; 1826, Nr. 83., Nr. 110.
[19] National-Kleidertrachten und Ansichten von Ungarn, Croatien, Slavonien, dem Banat, Siebenbürgen und der Bukowina. Nach der Natur gezeichnet und gestochen von Franz Jaschke. Wien, 1821.
[20] Nemzeti öltözetek (Nationale Trachten). In: Regélő. Pest, 1838.
[21] Österreichischer Taschenkalender für das Jahr 1801.Wien.
[22] Obwohl sich Gebäudeinnere und Kleidung auf den Stichen nicht voneinander unterscheiden, stellen die die zu befolgenden Beispiele die zeitgenössischen Toposse der bürgerlichen, die verwerflichen der aristokratischen Lebensführung und Mentalität dar. Wichtiges Mittel zur Identitätsstärkung des Bürgertums war damals die Gegenüberstellung ihrer eigenen moralischen Werte den Fehlern der Aristokratie. Daniel Chodowiecki verglich in seiner Serie vom Ende der 1770-er Jahre die natürliche bürgerliche und die affektiert aristokratische Verhaltensweise zu Gunsten der bürgerlichen. Bauer 1982, zit. Werk 94–95.
[23] En beliebter literarischer Topos der Zeit war die Erwähnung der Erziehung als „Kindergärtnerei”. Zu ihrer Darstellung in der bildenden Kunst gehören jene Bilder, die das Kind (oder Kinder) sowie die Eltern beim Spiel oder Lernen im Garten zeigen. Auch drei Blätter der hier vorgestellten Illustrationsserie zeigen – wie wir es sehen werden – eine Familie bei der Gartenarbeit im Garten und einem Gewächshaus bzw. beim Spaziergang in einem Arboretum.
[24] Dass dieses Vaterbild in jener Zeit verbreitet war, zeigt, dass die Darstellung der den heimkehrenden Vater mit Freude empfangenden Kinder und Ehefrau seit dem 18. Jahrhundert populär war, und die Komposition wurde im 19. Jahrhundert bereits zum Klischee.
[25] Auf den Gegenbildern sehen wir eine Familie beim Streit um das Mitgift, die Mutter, deren Kind eine Amme stillt, mit ihren Freundinnen beim Kartenspiel, den von den vielen unbezahlten Rechnungen verzweifelten Ehemann, dessen Frau das Geld für teuere Kleider verschwendet, und das von Früh bis Spät von Erzieherinnen und Erziehern unterrichtete Mädchen, das statt des Lernens mit dem jungen Klavierlehrer kokettiert.
[26] Naturgeschichte und Technologie für Lehrer in Schulen und für Liebhaber dieser Wissenschaften von C. Ph. Funke. Zur allgemeinen Schulencyclopädie gehörig. Neue, verbesserte Auflage. Wien und Prag,1800.; Naturgeschichte und Technologie für Lehrer in Schulen und für Liebhaber dieser Wissenschaften von C. Ph. Funke. Vierte,vermehrte und verbesserte Auflage. Wien und Prag,1805.
[27] F. J. Bertuch: Bilderbuch Für Kinder. Enthaltend eine angenehme Sammlung von Thieren, Pflanzen, Blumen, Früchten, Mineralien, Trachten und allerhand andern unterrichtenden Gegenständen aus dem Reiche der Natur, der Künste und Wissenschaften… I–XII. Weimar, 1790–1830.
[28] Die anatomischen und myologischen Modelzeichnungen sowie Skulpturen gebrauchten die Wissenschaftler und Kunststudenten seit der Renaissance. Vgl.: Boris Röhrl: History and bibliography of artistic anatomy didactics for depicting the human figure. Hildesheim, 2000. Fischer fertigte seine kleinformatige anatomisch-myologische Skulptur in den 1780-er Jahren auf Anraten des Anatomieprofessors an der Akademie, Joseph Barth, zur Nutzung durch die Kunststudenten. 1802 schloss die Akademie einen Vertrag mit ihm ab, damit er die Écorché-Figur mit erhobener Hand in Lebensgröße gießt, und der Blei-Zinn-Guss wurde nächstes Jahr auch fertig. Wien, Akademie der bildenden Künste, Glyptothek. Inv. Nr.: 478. Poch-Kalous, Margarethe: Johann Martin Fischer. Wiens bildhauerisch Representant des Josefinismus. (Forschungen zur Österreischischen Kunstgeschichte. Band 3) Wien, 1948. 46.; Krapf, Michael (Hrsg.): Georg Raphael Donner 1693–1741. Unteres Belvedere 2. Juni bis 30. September 1993, Österreichische Galerie Wien. Wien, 1993. 571–574.Vö.: Hagen, Bettina – Hofstetter–Dolega, Eva: Antike in Wien. Die Akademie und der Klassizismus um 1800 mit einem Beitrag von Peter Betthausen. Mainz am Rhein, 2002. 29.; Trnek, Renate – Hagen, Bettina (Hrsg.): Die Glyptothek der Gemäldegalerie der Akademie der Bildenden Künste Wien. Wien, 2006. 49. 1792 fertigte auch der französische Bildhauer Jean-Antoine Houdon ein lebensgroßes Écorché-Model mit erhobener Hand. Bedeutende Vertreter des Genres waren auch die ebenfalls Franzosen Edme Bouchardon und Jean Galbert Savage. Fischers Skulptur war das Vorbild für die Écorché-Statue von Jacques-Eugene Caudron. Erwähnenswert ist, dass auf Gerstners Stich die rechte Hand und der Unterarm des Apolls von Belvedere fehlen, die linke Hand aber intakt ist. Die Ende des 15. Jahrhunderts gefundene Skulptur kam zuerst ins Vatikan, dann ins Belvedere. Wie auf dem Stich von Marcantonio Raimondi vom Anfang der 1530-er Jahre bzw. der Radierung von Agostino Veneziano zu sehen ist, wurde die Skulptur mit verletzter rechten und fehlender linken Hand geborgen. Um 1532–1533 amputierte Giovanni Agnolo Montorsoli die verletzte Hand vom Ellbogen ab und fertigte eine neue Hand. Mit restaurierter Hand verewigte die Skulptur in den 1540-er Jahren Francisco de Hollanda, bzw. 100 Jahre später François Perrier (Segmenta nobilium signorum e statuarii quae temporis dentem invidium evasere Urbis aeternae ruinis erepta, typis aeneis ab se commissa perptuae venerationis monimentum. Franciscus Perrier. MDCXXXVIII [Roma]. FB 30, FB 31.), und von diesem Zustand entstanden – wie wir es auch auf dem erwähnten Bild von Willem van Haecht sahen – zumeist auch die Kopien im 17.-18. Jahrhundert. Gegen die Montorsoli-Ergänzungen wurden im 19. Jahrhundert Abneigungen laut, und kürzlich entfernte man sie auch. Vgl.: Haskell, Francis – Penny, Nicholas: Taste and the Antique. The Lure of Classical Sculpture, 1500–1900. New Haven, 1981. 11, 148.
[29] Naturgeschichte und Technologie für Lehrer in Schulen und für Liebhaber dieser Wissenschaften von C. Ph. Funke. Fünfte,vermehrte und verbesserte Auflage. Wien 1812.
[30] Die einstige Gipskopiensammlung der Akademie wurde im Zweiten Weltkrieg verschleppt, der danach verbliebene Teil, den man heute Glyptothek nennt, wurde 1996 erneut im Untergeschoss des Atelierhauses der Akademie ausgestellt. Vgl.: Hagen 2002, zit. Werk 73–77; Trenk 2006, zit. Werk.
[31] Beschreibung der k. k. Akademie der bildenden Künste in Wien 1783 und 1790, Wien, 1875. 3439.
[32] In der Gipssammlung von Deym waren sowohl die Kopie des Apoll von Belvedere, als auch des Torso von Belvedere vorhanden. Beschreibung 1797, zit. Werk 4344, 5455.; Hatwagner 2008, zit. Werk 92.
[33] Hagen, Bettina: Die Auseinandersetzung mit der Antike an der Wiener Akademie um 1800. Eine Untersuchung zum Klassizismus in Österreich. Wien, 2001. 25.
[34] Trnek 2006, zit. Werk el 05-el 06.
[35] Trnek 2006, zit. Werk gm/gr 45.
[36] Hatwagner 2008, zit. Werk 25.
[37] Das Originalgemälde fand ich weder im Katalog der Wiener Kunstakademie, noch des Kunsthistorischen Museums. Es zeigt in einer Landschaft mit Palmen einen sitzenden Indianer, einen weißen Mann (?), zwei Gestalten mit Turban sowie eine Figur aus dem Fernen Osten.
[38] Strukturwandel der Öffentlichkeit. Untersuchungen zu einer Kategorie der bürgerlichen Gesellschaft (Habilitationsschrift). Neuwied, 1962 (Neuauflage: Frankfurt am Main, 1990).